Geschichte des Hauses

DIE

BLASTURMGASSE

Am 12.2.1829 kaufte der Mauerer Michael Moritz einen Garten an der Stadtmauer von der Sattlerswitwe Franziska Klob und errichtete noch im selben Jahr ein Wohnhaus. Dieses Anwesen erhielt später die Bezeichnung Blasturmgasse 1 und wurde beschrieben als Wohnhaus mit Stall unter einem Dach, gesondertem Schweinestall und Hofraum mit Brunnen. Der Schweinestall war an die innere Stadtmauer angelehnt, hatte eine Grundfläche von etwa 2 Meter mal 6 Meter und besaß bereits ein Fenster, welches durch die Stadtmauer nach Osten zeigte. In diesem Bereich entdeckte man auch eine Pfostengrube, die als ursprüngliche Latrine gedeutet werden kann.

Im Jahre 1878 tauschte der Gastwirt und Brauereibesitzer Simon Wiendl das Haus Schwaigerstraße 12 gegen das Anwesen Blasturmgasse 1 ein. 1879 brach er die Reste des Schweinestalls nebst dem Gartenzaun, mit Einfahrtstor von Westen, ab. Noch im selben Jahr veräußerte er das Wohnhaus wieder und behielt sich den Garten als Bauplatz zurück. 1879 und 1880 errichtete Simon Wiendl nun das Wohnhaus Blasturmgasse 2.

Simon war ein erfahrener Bauherr, denn neben seinen vielfältigen Beschäftigungen betätigte er sich auch als Güterhändler, heute Immobilienmakler. Seinen Wohnsitz hatte er an der Ecke Schwaigerstraße – Postgartenstraße und die von ihm erbaute Gaststätte mit Brauerei firmierte unter „Pfälzerhof“.

Der Bauherr fand die eingestürzte Stadtmauer vor, die mit hoher Wahrscheinlichkeit Teile des angelehnten Schweinestalls unter sich begraben hatte. So musste zunächst die Fläche vom Bauschutt geräumt werden. Nur so war es möglich, einen 2,40 Meter mal 2 Meter großen und etwa 1,50 Meter tiefen Keller zu graben. Dabei nutzten die Mauerer eine vorgeschichtliche Sandverfüllung zwischen gewachsenem Fels. Das Fundament der Stadtmauer wurde hierzu um 50 Zentimeter reduziert. Die Arbeiten führte man mit fachmännisch gehauenem Stein aus, so dass zum Zeitpunkt des Kellerbaus die Stadtmauer an dieser Stelle vollständig abgetragen gewesen sein musste. Offenbar noch brauchbare Sandsteine wurden in den Kellerwänden wiederverwendet. Hierauf ließ Simon Wiendl ein erdgeschossiges Haus mit drei Zimmern und einen Flur errichten, die zusammen rund 36 m² Wohnfläche aufwiesen. 1880 war das Haus an den Schuhmacher und Fabrikarbeiter Karl Sichler vermietet und von ihm und dessen Frau Franziska geb. Luschner sowie deren 3 Kindern bezogen.

1891 kam eine erhebliche Veränderung. Der Mauerer Johann Rogl erwarb gemeinsam mit seiner Frau Margarethe geb. Kramer das Haus. 1895 wurde das Dachgeschoss ausgebaut und ein Erkerzimmer errichtet, wobei letzteres zweifelhaft bleibt. Dabei hatte der Maurer offenbar viel Eigenleistung erbracht. Denn die Familie konnte es sich leisten und nahm trotz gestiegener Wohnfläche keine Mieter ins Haus. 1900 bewohnten das Gebäude „nur“ drei Personen.

1911 erwarb der Dienstknecht Karl Auer aus Guteneck gemeinsam mit seiner Frau das Anwesen.  Das Einwohnerverzeichnis von 1912 verzeichnete die beiden Familien Auer und Diermeier als Bewohner. Im Jahre 1913 stellten die Eigentümer einen Bauantrag über die Errichtung eines Gartenzauns. Dies ist zwar selbst kein bedeutendes Bauwerk, dennoch zeigt der Plan interessante Details. So ist in der Ecke Stadtmauer zum Türmerhaus bereits ein separates Toilettenhaus eingezeichnet. Vor diesem „Sanitärgebäude“ wurde im Lageplan ein offenbar hölzernes Nebengebäude vermerkt, was jedoch im Grundriss zur eigentlichen Baumaßnahme fehlt.

Die Witwe Katharina Auer beantragte 1929 den Aufbau eines Erkers. Ob auf eigene Initiative oder auf Vorschlag der Stadtverwaltung bleibt unklar, jedenfalls änderte man den Bauplan ab. Tatsächlich genehmigt und gebaut wurde ein volles Stockwerk auf der Westseite. Die Ostseite hatte möglicherweise schon 1895 diese Höhe erreicht. Die Wohnfläche umfasste nach dem Umbau ca. 70 m².

Nach dem Stadtadreßbuch von 1955 bewohnten drei Familien mit insgesamt mindestens fünf Erwachsenen und drei minderjährigen Kindern diese 70 m². Außer einer Neueindeckung des Daches mit Eternittplatten hatte man es in der Folgezeit versäumt, das Haus an die geänderten Wohnbedürfnisse anzupassen. So entfernte sich im Laufe der Jahre der Standard modernen wohnens immer mehr vom Objekt.

2010 war es dann soweit, dass sich die Familie Auer vom Anwesen trennte. Dies rief den Autor auf den Plan, der antrat das Kleinod ins 21. Jahrhundert zu führen. Doch bereits die ersten Untersuchungen brachten die Ernüchterung. Die Bausubstanz war derart marode, dass eine Sanierung nur mit unverhältnismäßig hohen Kosten verbunden wäre. In der Fassade zogen sich zwei große Risse vom Erdgeschoss bis unters Dach. Der Statiker stufte das Gebäude als „höchst bedenklich“ bis „einsturzgefährdet“ ein. Sein Urteil lautete: „nicht sanierungsfähig“ sondern „Abbruch“.

In der Zeit vom 23. bis 25.10.2014 erfolgten die Abbrucharbeiten. Wie vereinbart blieb die östliche Außenmauer des Hauses, die vermutliche Stadtmauer, stehen. Nach Startschwierigkeiten konnten am 29.9.2015 die Bauarbeiten beginnen und am 9.12.2015 hoben die Zimmerleute den Dachstuhl hinauf, am 5.8.2016 entfernten die Arbeiter das Gerüst vom Haus, so daß es nun nach außen hin als vollendet dastand. 

Patronat der Hl. Drei Könige

Bei der Eingangstür wurde eine Gedenktafel mit folgender Inschrift angebracht: C + M + B, Wappen der Weingärtner, J + LW, 1879 und 2015. Die Buchstaben CMB stehen nach evangelischer Auffassung für die drei Weisen aus dem Morgenland. Nach katholischer Auffassung handelt es sich um die Heiligen Drei Könige: Caspar, Melchior und Balthasar. Das Kürzel steht aber auch für den Segensspruch: Christus mansionem benedicat = Christus segne dieses Haus [und alle die da gehen ein und aus]. Die Heiligen Drei Könige sind die Schutzpatrone für Pilger, Wanderer, Herbergsuchende und Gastwirte. Da das Gebäude für Ferienwohnungen genutzt wird ist ihre Anrufung und ihr Schutz von besonderer Bedeutung.

Die Buchstaben J + LW stehen für die Bauherren Johanna und Ludwig Weingärtner. Die beiden Jahreszahlen deuten auf die jeweiligen Baujahre hin.